Arbeitszeitmodelle in der Hörakustik

Machen wir uns nichts vor: Am Fachkräftemangel in der Hörakustik wird sich in naher Zukunft nichts ändern. Stand ist, dass ca. 15-20% aller „eingerichteten“ Stellen nicht besetzt sind. Wie soll man diesem Problem begegnen? Ein Blick auf verschiedene mögliche Arbeitszeitmodelle kann den Weg weisen, um zumindest etwas Erleichterung zu schaffen.

Früher lagen die Dinge einfach. Wer angestellt war, der arbeitete in er Regel auch Vollzeit. Doch durch die zahlreichen gesellschaftlichen Veränderungen haben sich die Lebensmodelle verändert. Deshalb passt das klassische Arbeitszeitmodell nicht mehr zu jedem und viele ausgebildete Hörakustiker/innen haben gar nicht mehr die Möglichkeit, diesem gerecht zu werden. Sie arbeiten dann im Zweifel eher gar nicht – und so verschärft sich der Fachkräftemangel weiter. Das müsste nicht so sein, denn es hat sich eine Vielzahl von Modellen herausgebildet, die einen optimalen Umgang mit der knappen Ressource Arbeit ermöglichen. Folgend ein umfassender Überblick. Zugegeben: Nicht alle diese Ansätze sind in der Hörakustik bereits verbreitet.

Arbeit in Vollzeit

Dies ist das am meisten verbreitete Modell. Es gibt eine festgelegte wöchentliche Arbeitszeit, die häufig 40 Stunden beträgt. Die Arbeitszeiten sind festgelegt. Gerade in einer Branche wie der Hörakustik, in der es Öffnungszeit und Kundenverkehr gibt, bietet dieses Modell viele Vorteile. Allerdings ist es auch unflexibel – sowohl aus Sicht des Mitarbeiters als auch aus Sicht des Hörakustik Fachgeschäfts.

Arbeit in Teilzeit

Teilzeitarbeit hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Vereinfacht gesagt bedeutet sie, dass ein Hörakustiker oder eine Hörakustikerin nicht die volle Zeit arbeitet, sondern nur einen Teil davon. Verbreitet ist es beispielsweise, um die Hälfte zu reduzieren – also z.B. 20 Stunden in der Woche zu arbeiten. Damit eröffnet sich auch eine interessante Möglichkeit: Wenn sich eine Vollzeitstelle nicht besetzen lässt, können zwei Teilzeitstellen die Lösung sein.

Teilzeit muss aber nicht unbedingt eine Reduzierung der Arbeitszeit um 50% bedeuten. Beispiel: Im Hörakustik-Fachgeschäft ist immer montags und freitags sehr wenig Frequenz, während für Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sehr viele Terminanfragen hereinkommen. Lösung: Schaffung einer Teilzeitstelle für 24 Stunden in der Woche und eben genau für diese Tage.

Funktionszeit

Dieses Modell ist sehr spannend, allerdings in der Hörakustik bisher nicht verbreitet. Wie der Name schon sagt, wird hier die erwartete Arbeitsleistung von der Funktion her gedacht – eine Anwesenheitspflicht entfällt. Theoretisch könnte das so aussehen: Die einem Hörakustiker oder einer Hörakustikerin zugedachte Funktion ist, monatlich eine bestimmte Anzahl an Anpassungen vorzunehmen. Diese Leistung soll flexibel nach Bedarf erbracht werden. Damit stellt das Fachgeschafft sicher, dass die eingerichteten Arbeitsplätze ausgenutzt werden und Kunden schnell einen Termin bekommen. Die Abstimmung erfolgt im Team. Praktisch stellt sich die Frage, ob ein solches Modell wirklich umsetzbar sein kann. Inspirierend ist es auf jeden Fall.

Vertrauensarbeitszeit

Der Name ist Programm: Bei der Vertrauensarbeitszeit entfällt die Kontrolle der Arbeitszeit durch den Arbeitgeber. Das Team organisiert die Arbeit weitgehend selbstständig rundum Zielvereinbarungen. Beispielsweise: “Wir haben zwischen 8.00 Uhr und 18:00 Uhr geöffnet. Jeder Kunde erhält binnen 24 Stunden einen Termin für eine Anpassung.”
Dieses Modell ist ebenfalls in der Hörakustik bisher nicht verbreitet. Es ist sicherlich – wenn überhaupt – auch nur für Fachgeschäfte und Teams geeignet, die sich sehr gut kennen und voll vertrauen.

Arbeitszeitkonto

Bei dem Arbeitszeitkonto handelt es sich eher um eine Steuerungsmöglichkeit für flexible Arbeitszeiten, als um ein Arbeitszeitmodell. Die Idee ist, dass ein Hörakustiker oder eine Hörakustikerin mit den Stunden ins Plus oder auch ins Minus gehen kann. So wird es möglich, auf aktuelle Anforderungen zu reagieren. Mittwoch nachmittags ist nichts los? Einfach nach Hause gehen, dafür gibt es dann Minusstunden auf dem Arbeitszeitkonto. Die holt man dann am Donnerstag auf, wo im Fachgeschäft extrem viel los ist.

Versetzte Arbeitszeiten

Die Kunden verlangen immer mehr Flexibilität und starre Öffnungszeiten mit einer Schließung am Mittag sind dafür nicht optimal. Als Lösung bieten sich die im Handel oft verwendeten versetzten Arbeitszeiten an.  Die funktionieren zum Beispiel so: Man selbst fängt um 8:00 Uhr an. Der Kollege oder die Kollegin kommt dann um 11:00 Uhr. Die Mittagspause macht man zu versetzten Zeiten – und Abends bleibt der Kollege oder die Kollegin natürlich auch länger. Im Ergebnis kann man den Bedürfnissen von Früh- und Spätaufstehern gerecht werden und den Kunden längere Öffnungszeiten bieten.

Soweit unsere Übersicht zu Arbeitszeitmodellen. Sicherlich sind nicht alle Varianten enthalten und es gibt darüber hinaus natürlich noch spannende Kombinationsmöglichkeiten. Unser Gefühl ist, dass in der Hörakustik die Möglichkeiten einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung bisher noch nicht ausgenutzt werden. Wenn ein Fachgeschäft sein Modell umstellt, wird es am Anfang mit Sicherheit etwas anstrengend, die passenden Lösungen für alle zu finden. Am Ende können von einem gut austarierten System aber alle profitieren: Arbeitgeber, Arbeitnehmer und auch die Kunden. Welche Erfahrungen habt ihr mit Arbeitszeitmodellen in der Hörakustik gemacht? Wir freuen uns auf eure Rückmeldung und beraten euch bei Bedarf gerne.

André Lipka André Lipka ist Geschäftsführer der Lipka Personalgewinnung GmbH und begeistert sich besonders für das genaue Abstimmen von Bewerberwünschen mit Arbeitgebervorstellungen. Er bloggt über Themen wie Hörakustik Gehalt und Konfliktlösung am Arbeitsplatz. Seine Freizeit verbringt André am Liebsten mit seiner Familie, erweitert seine Star Wars Figurensammlung oder dreht eine Runde auf seinem Longboard.

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