Teilzeit Hörakustik

Hörakustik Arbeitsmarkt: Fachkräftemangel & ungenutzte Chancen.

Jede Woche haben wir Anfragen von neuen Unternehmen, die dringend Mitarbeiter suchen. Alle Kanäle, Kontakte, Bekannte und Vertreterkontakte sind ausgeschöpft. Die Not ist groß – sehr groß. Wir schätzen, dass ca. 15-20% aller bereits „eingerichteten“ Stellen in der Hörakustik nicht besetzt sind. Wir sagen bewusst eingerichteten Stellen, da es bei diesen um physisch vorhandene Arbeitsplätze geht und/oder diese bereits im Budget des Unternehmens eingeplant sind. Weitere 5-10% an Stellen sind sicherlich zusätzlich unbesetzt, bei denen es um Erweiterungen geht. Dazu gehören neue Standorte und Expansion im vorhandenen Fachgeschäft.

Teilzeit in der Hörakustik? Oft keine Chance!

Ebenso erhalten wir fast täglich Anfragen von fast verzweifelten Eltern, die aus der Elternzeit zurück ins Berufsleben wollen. Oft, sogar sehr oft mit dem Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten oder Teilzeit verbunden. Gelegentlich haben diese Mitarbeiterpotenziale (wir entschuldigen uns ausdrücklich für die technische Bezeichnung) sich schon auf mehrere Stellen oder initiativ beworben. Mit klarem Ergebnis – keine Chance auf Teilzeit oder flexible Arbeitszeiten.

Unsere Frage stellen wir mal provokant zur Diskussion: Können es sich die Unternehmen erlauben, diese Potenziale schlummern zu lassen? Was bedarf es, diese Potenziale unternehmerisch zu nutzen und einem Menschen die Chance zu geben, seinen Traumberuf weiter auszuüben?

Kleiner Exkurs in unsere Gedankengänge: Der Beruf der Hörgeräteakustiker ist verglichen mit anderen Handwerksberufen noch ein recht junger Beruf. Dennoch hat er sich bereits gewandelt. Vereinfacht gesagt dominierten früher Männer und die Technik – heute sind die weiblichen Mitarbeiterinnen stark vertreten und die Dienstleistung ist in den Vordergrund gerückt. Es geht mehr denn je um das neue Modewort „Customer-Experience“ als um technische Optimierung des Hörvermögens. Wobei natürlich letzteres der Anlass ist, zum Hörakustiker zu gehen. Die Umbenennung des Handwerksberufs ist sehr bezeichnend für den Wandel und die veränderten Anforderungen an die Mitarbeiter. Weg vom Begriff „Gerät“ hin zu Hörvermögen. Wenig gewandelt oder „modernisiert“ hat sich die Einsatzplanung der Mitarbeiter. Deren Wünsche und Anforderungen werden oft nicht oder nur wenig berücksichtigt. Hier besteht eine sehr gute Chance, Hörakustiker/innen an ein Unternehmen zu binden oder neu für dieses zu begeistern.
Wir kennen einige sehr gute Beispiele, bei denen genau das klappt. Allerdings bedarf die Einsatzplanung in einem solchen Fall einer ständigen Anpassung – sie ist pflegeintensiver, bietet aber auch viele Chancen.

Größte Hürde: die Öffnungszeiten des Fachgeschäfts!

Die größte Hürde für Flexibilisierung der Arbeitszeitmodelle in der Hörakustik sind die Öffnungszeiten. Diese haben Dienstleistungsunternehmen wie zum Beispiel wir nicht. Wir sind uns dennoch sicher, dass ein zufriedenstellendes Ergebnis im Fachgeschäft erreicht werden kann (wenn auch nicht unbedingt das Optimum), wenn ich mich als Geschäftsinhaber oder Gebietsleiter in der Hörakustik mit dem Einsatz meiner Ressourcen auseinandersetze.

Fragen zur Ausgangssituation:

  • Wie lange möchte ich meine Stellenanzeige noch schalten, die Stelle unbesetzt lassen? Und damit keinen Umsatz machen und die Kunden noch länger warten lassen?
  • Welche Teamkonstellation brauche ich vor Ort im Fachgeschäft, um was wann und wie zu erledigen?
  • Wie viele Kunden konnten in den letzten Monaten schon nicht versorgt werden und wurden an das Wettbewerbsunternehmen verloren?
  • Sind meine vorhandenen Mitarbeiter schon am Leistungslimit und bereits unzufrieden, da sie dringend Entlastung brauchen?
  • Ist es sinnvoll eine Personalplanung nach Köpfen zu machen, ungeachtet der geleisteten Arbeitsstunden und des individuellen Outputs?

Fragen zur Arbeitsorganisation:

  • Welche Tätigkeiten sind z. B. zwingend durch einen Meister/Meisterin zu erledigen?
  • Können administrative Aufgaben, Terminvergabe und -überwachung, sowie Lagerhaltung, Schreibkram und Kommissionsware von einer kaufmännischen Fachkraft übernommen werden?
  • Kann der potenzielle Neukunde mit einer Maßnahme bei Laune gehalten werden ohne direkt einen Termin durchzuführen? Kann eine kaufmännische Mitarbeiterin oder Mitarbeiter bereits ein paar Fragen klären und einen Termin koordinieren? Braucht der Neukunden wirklich einen vollumfänglichen Ersttermin, nachdem er schon ein bis zwei Stunden beim HNO war?
  • Bietet ein auf festen Terminen basiertes Geschäftsmodell keine Möglichkeiten des präzisen Einsatzes der Arbeitskräfte?

Fragen zum Thema Teilzeit:

  • Habe ich eventuell mit einem Mitarbeiter, der eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten hat, einen besser motivierten Mitarbeiter, der ggf. die Arbeit von acht Stunden in sechs erledigt?
  • Ist es nicht besser eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter z.B. für zwei Tage ergänzend im Fachgeschäft zu haben als Kunden lange warten zu lassen?

Mitarbeiter für Vollzeitstellen? Mehr als knapp!

Machen wir uns nichts vor: Es gibt die gesuchten Vollzeitmitarbeiter nicht in der benötigten Anzahl! Oft sind zusätzlich noch die richtigen Mitarbeiter am falschen Ort oder die falschen Kollegen am richtigen Ort. Wie man es auch dreht.  Der Einstellungsdruck führt nicht selten dazu, dass im Vorstellungsgespräch gelegentlich von beiden Seiten alles etwas überjubelt wird und die Arbeitsrealität im Alltag dann anders aussieht als die zuvor besprochene Stelle. Für die vorgenannten Punkte sind wir da. Menschen und Unternehmen passend zusammen zu bringen. Die Anforderungen abzugleichen und die individuellen Wünsche losgelöst von Zwängen und Ängsten frei zu besprechen.

Aktuell sind ca. 14.000 Menschen in der Hörakustik tätig (sagen unterschiedliche Quellen). Durch weitere Suchen werden es nicht mehr.  Es fehlen nach unseren (optimistischen) Schätzungen ca. 2.000 Mitarbeiter!  Dagegen stehen, nach unserer groben Schätzung, ca. 300-500 potenzielle Mitarbeiter/-innen, die eine Teilzeitstelle suchen. „Einige“ kennen wir davon. Hier liegt aus unserer Sicht eine große Chance für Unternehmen und Stellensuchende. Gerne stehen wir mit Rat und Tat zur Seite, um die individuellen Fragestellungen eines Fachgeschäftes zu besprechen oder zu reflektieren. Natürlich auch, um dann eine Stelle möglichst zu besetzen. Wir hoffen unsere Ausführungen bewegen und regen zur Diskussion an.

 

André Lipka André Lipka ist der Geschäftsführer von HörakustikerJobs und begeistert sich besonders für das genaue Abstimmen von Bewerberwünschen mit Arbeitgebervorstellungen. Er bloggt über Themen wie Hörakustik Gehalt und Konfliktlösung am Arbeitsplatz. Seine Freizeit verbringt André am Liebsten mit seiner Familie, erweitert seine Star Wars Figurensammlung oder dreht eine Runde auf seinem Longboard.

 

Über HörakustikerJobs: Wir helfen kostenlos, Wunschstellen in der Hörakustik zu finden und unterstützen auch bei der Verhandlung eines attraktiven Hörakustiker Gehalts.